Mo., 21.05.12

Kommentar zur Fahrsicherheit 28.07.2009 Und bist du nicht willig...

Kommentarfoto Sascha Gorhau (Foto)
News.de-Redakteur Sascha Gorhau. Bild: news.de

MAN hat den elektronischen Abbiegeassistenten für Lkw entwickelt. Allerdings ist unklar, wann er wirklich in Serie geht. Dabei geht es um Geld – vor allem aber um das Leben von Radfahrern und Passanten. Darum muss notfalls die Politik eingreifen.

Der Mensch kann nicht fliegen. Deshalb braucht er Technik, die ihm dazu verhilft. Es gibt Stellen, die kann ein Lkw-Fahrer vom Cockpit aus nicht einsehen, so genannte tote Winkel. Deshalb brauchen Trucker elektronische Helfer, die sie auf Verkehrsteilnehmer hinweisen, die sie trotz zusätzlicher Außenspiegel nicht sehen können.

Dabei geht es weder um Bevormundung noch um ein Misstrauensvotum wider die Aufmerksamkeit von Fernfahrern. Es geht um die Akzeptanz dessen, was möglich ist und was nicht. Und um eine zeitgemäße und technisch adäquate Antwort der Hersteller darauf.

Vor Jahren gab es noch nicht die technischen Möglichkeiten, mittels verlässlicher Sensorik den toten Winkel eines Lkw zu beleuchten. Heute ist die Forschung soweit. MAN hat es mit dem elektronischen Abbiegeassistenten bewiesen und ist dafür zurecht mit dem «Gelben Engel» des ADAC ausgezeichnet worden.

Dass der Helfer dabei die Vorreiterstellung deutscher Ingenieurskunst unter Beweis stellt, ist zweitrangig. Viel wichtiger ist der Umstand, dass die Innovation Leben retten kann. Allein im Jahr 2008 waren es 55 Radfahrer, die bei einer Kollision mit einem Lkw zu Tode kamen.

Deshalb ist es unverständlich, dass die Hersteller nicht mit Nachdruck an dieser Technologie arbeiten. Die Situation ist ernüchternd: MAN kann nicht in Aussicht stellen, wann der Assistent in Serie gehen wird. Andere Hersteller müssen auf Nachfrage zugeben, dass entsprechende Systeme noch in den Kinderschuhen einerseits, und den Forschungsabteilungen andererseits (fest-)stecken.

Das eigentliche Problem ist die politische Steuerung. Sie muss gewährleisten, dass derlei lebensrettende Innovationen nicht nur gefördert, sondern deren Verwendung verbindlich vorgeschrieben wird. Historische Beispiele sind der Sicherheitsgurt oder das Anti-Blockier-System (ABS). Wer stellt sie heute noch infrage?

Zahlen will dafür trotzdem keiner. Deshalb wollen die Hersteller die Mehrkosten nicht auf die Abnehmer, also die Speditionen abwälzen. Außerdem haben die Fahrzeugbauer in der Absatzkrise viel Geld verloren – Geld, das jetzt in Forschung und Entwicklung fehlt.

Letztlich spielt es keine Rolle, welche konkreten Gründe die Nutzfahrzeughersteller dazu veranlassen, den Abbiegeassistenten nicht umgehend zur Serienreife zu bringen. Wenn der Helfer nicht bald kommt, muss die Politik Steuerungspotenz beweisen.

mik
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