Tod im Winkel
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Von News.de-Redakteur Sascha Gorhau
Artikel vom 28.07.2009Elektronischer Lebensretter: Im Januar wurde MAN für die Erfindung des Abbiege-Assistenten für Lkw ausgezeichnet. Der kann den toten Winkel beleben, Radfahrern und Passanten das Leben retten. Doch zum Einsatz kommt das Gerät bisher nicht.
Der ADAC verleiht alljährlich den «Gelben Engel» – 2009 wurde den bayerischen Fahrzeugbauern von MAN diese Ehre zuteil. Grund für die Auszeichnung: der elektronische Abbiegeassistent für Lkw. «Mit diesem System können Unfälle an Kreuzungen verhindert werden», so wirbt das Unternehmen mit Sitz in München in einer Presseerklärung aus dem Januar.
Hintergrund ist die schlechte Übersichtlichkeit in den Lastern. Das Statistische Bundesamt bestätigt, dass 456 Radfahrer im Jahr 2008 auf Deutschlands Straßen zu Tode kamen, 55 davon durch einen Lkw. Doch auch Fußgänger sind bedroht.
Denn noch immer existieren Flächen um das Fahrzeug, die vom Führerhaus aus nicht eingesehen werden können - sie liegen im toten Winkel. Noch 1997 vermutete der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC), dass knapp die Hälfte der tödlich verunglückten Radfahrer im toten Winkel starben.
Dieses Verhältnis hat sich verbessert, bestätigt der ADFC auf Nachfrage. Grund dafür sind schärfere Sicherheitsverordnungen der EU. So müssen seit Januar 2007 alle neuen Lastkraftwagen mit zusätzlichen Spiegeln ausgestattet sein, die den toten Winkel weiter reduzieren sollen. In Deutschland werden neue Lkw schon seit 2004 auf freiwilliger Basis mit den Zusatzspiegeln ausgerüstet. Fahrzeuge ab dem Baujahr 1998, die bereits im Verkehr zugelassen sind, müssen bis 2010 nachgerüstet werden.
Noch vorhandene blinde Flecke soll die Innovation von MAN beseitigen, der elektronische Abbiegeassistent. Er tastet über Ultraschallsensoren den toten Winkel des Lkw ab. Befindet sich innerhalb dessen eine Person, macht die Sensorik den Fahrer mittels eines akustischen Warnsignals auf den Körper aufmerksam. Das intelligente System warnt zusätzlich durch ein optisches Signal, wenn sich neue Objekte dem Lkw nähern.
Anlässlich der Preisverleihung verkündete das Unternehmen, dass die Technologie bereits ausführlich getestet worden sei und in den nächsten Jahren schrittweise eingeführt werden solle. Konkreter im Hinblick auf den Terminplan wollte MAN nicht werden. Und auch mehr als ein halbes Jahr später hielt sich der Konzern auf Nachfrage bedeckt: Es gebe keine Neuigkeiten im Bezug auf die Serienreife der Technologie.
Es bleibt unklar, wann die lebensrettende Innovation serienmäßig Einzug in die Führerkanzeln der Lkw finden wird. Über die Gründe für den schleppenden Fortschritt hin zur Serienreife kann nur spekuliert werden. Branchenintern wird vermutet, dass die Absatzkrise die Hersteller gezwungen habe, Gelder aus ihren Forschungsabteilungen abzuziehen.
Der ADAC sieht darin kein Problem. Dieter Wirsich, Leiter der Pressestelle des Automobilclubs mit Sitz in München: «Aus Sicht des Preisverleihers ist die Erfindung an sich ausschlaggebend. Dafür, und nicht für den Zeitpunkt der Serieneinführung ist die Auszeichnung verliehen worden.»
Obwohl MAN keine Angaben zum Zeitpunkt der Markteinführung geben will, so ist es dennoch ein Verdienst der Fahrzeugbauer, die lebensrettende Innovation auf den Weg gebracht zu haben. Auf Anfrage bestätigten andere Nutzfahrzeughersteller, dass der elektronische Abbiegeassistent in ihrem Hause die Entwicklungsabteilung noch gar nicht verlassen hätte.
che
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