Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Der Corsa war in den vergangenen Jahren einer der wenigen Lichtblicke im Opel-Sortiment. Auch der Corsa 1.3 CDTI Ecoflex zeigt im Test: Opel hat die Zeichen der Zeit erkannt.
7,5 Prozent beträgt der Anteil von Opel bei allen Neuwagen, für die in diesem Jahr die Abwrackprämie in Anspruch genommen wurde. Volkswagen kommt fast auf den doppelten Wert. Das schlechte Abschneiden von Opel verdeutlicht den Ausmaß des Ruins in Rüsselsheim.
Freilich stammen die Zahlen aus der Zeit, bevor der Insignia der Marke mit dem Blitz zu neuem Prestige verhalf. Doch schaut man sich die Statistik genau an, lässt sich auch darin bereits ein Hoffnungsträger erkennen: der Corsa. Von ihm wurden dank staatlicher Prämie mehr Autos verkauft als von Antara, Astra, Combo, GT, Meriva, Tigra, Vectra und Zafira zusammen.
Welche Argumente den Corsa zum Verkaufsschlager machen, wird im Test schnell klar: Das Auto ist praktisch, vielseitig und enorm sparsam.
Der Corsa 1,3 CDTI Ecoflex, vor knapp einem Jahr in punkto Motorsteuerung noch einmal leicht überarbeitet und um 45 Kilogramm Gewicht reduziert, ist der grüne Musterknabe in der Modellpalette. Einen Verbrauch von 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometern verspricht Opel, und auch im Test bleibt die 4 vor dem Komma trotz zügiger Autobahnfahrt stehen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel, denn der Corsa bleibt beim CO2-Ausstoß locker unter der magischen Kfz-Steuer-Grenze von 120 Gramm pro Kilometer.
Auch sonst macht der Kleine deutlich, was ihn ausmacht: Der Corsa ist kein Auto, das den Nachbarn beeindruckt, zur Tapete im Wohnzimmer passt oder gar dem Leben einen Sinn zu geben scheint. Er ist ein Fahrzeug für alle, die sich in erster Linie fortbewegen wollen. Von A nach B kommen. Mobil sein. Ganz einfach.
Das wirkt zunächst etwas schlicht. Als Dreitürer kommt der Wagen zwar fast wie ein Coupé und deutlich sportlicher als sein fünftüriger Bruder daher. Doch Raffinesse, Lifestyle oder Emotionen verströmt auch er schon von außen nicht. Im Innenraum macht sich dann sogar der Eindruck von Lieblosigkeit breit: viel Kunststoff, wenig Liebe zum Detail. Wenn man sieht, was auch in diesem Segment sonst mittlerweile Standard ist, dann muss man ernüchtert sein.
Doch dieser erste Eindruck weicht schnell einem anderen: Der Corsa ist ein Auto ohne Sperenzchen. Alles, was man braucht, ist da und an der richtigen Stelle. Das fängt bei Getränkehaltern an, in die nicht nur Flaschen aus der Minibar passen, und hört beim optionalen Heck-Fahrradträger Flex-Fix (für 530 Euro Aufpreis) auf. So wird die Bedienung intuitiv und praktisch. Das sorgt für mehr Wohlfühl-Ambiente als viele der schicken Bling-Bling-Effekte bei der Konkurrenz.
Der wahre Star im Bestseller aus Eisenach ist aber der Motor. Der Vierzylinder leistet 75 PS. Das macht auf dem Papier nicht viel her, bietet in der Praxis aber - in Verbindung mit dem straffen Fahrwerk und der guten Lenkung - im Verhältnis zum geringen Verbrauch viel Fahrspaß.
Auch hier geht es nicht um Blendwerk oder Protzen. Mit 12,7 Sekunden für den Standardsprint von 0 auf 100 und einer Höchstgeschwindigkeit von 168 Kilometern pro Stunde wird man kaum jemanden beeindrucken können. Doch die Motorcharakteristik überzeugt bei den Anforderungen, die der Alltag stellt: Zügiges Überholen auf der Landstraße, ordentliches Mithalten auf der Autobahn und vor allem enorm schaltfaules Fahren in der Stadt - all das ist hier perfekt umgesetzt. Von Tempo 60 bis zur Spitzengeschwindigkeit kann man problemlos beschleunigen, ohne einmal die Kupplung getreten zu haben. Hier machen sich vor allem das Drehmoment von 170 Newtonmetern, das ab 1750 Touren anliegt, und das sehr lang übersetzte 5-Gang-Getriebe bemerkbar.
Verbunden mit dem guten Platzangebot (auch hinten) und einem immerhin 285 Liter fassenden Kofferraum wird der Corsa so zur überzeugenden Lösung für alle, die günstig, sicher und umweltfreundlich unterwegs sein wollen. Und das ist schließlich genau das, was ein modernes Auto ausmachen sollte.
gor