Fiat 500 Ein iPod auf Rädern

Fiat 500 (Foto)
Der Fiat 500 bezieht sich deutlich auf seinen Vorgänger, wirkt aber trotzdem modern. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Tolles Design, grandiose Vermarktung, schicker Lifestyle-Effekt: Der Fiat 500 kommt daher wie ein iPod mit Motor. Zwei Gegenstände, die durch ihre Individualität die Herzen im Sturm erobern. Auch im Test zeigen sich erstaunliche Parallelen.

Die Werbung: Schnelle Schnitte, Minimalismus, schwarze Schrift auf weißem Grund: Die Spots für den Fiat 500 erinnern stark an die Apple-Kampagnen. Nur die Musik ist besser: Während es bei Fiat von Beginn an Rock von Tiziano Lamberti gab, setzten die iPod-Spots zunächst auf die Langweiler von U2.

Die Idee: Der iPod sollte Musik mobil machen, einfach und für alle. Ganz ähnlich sah auch hier das Konzept aus. Der Fiat 500 sollte bezahlbare und praktische Mobilität ermöglichen, ein Klassiker der Moderne werden - genau, wie das 50 Jahre zuvor beim legendären Nuova 500 gelungen war. Dazu ließ sich Fiat von den Möglichkeiten des Web 2.0 inspirieren: Potenzielle Kunden konnten auf der Website www.fiat500.com ihre Wünsche äußern, wie das Auto aussehen und was es können sollte. Mehr als 275.000 Vorschläge gingen ein.

Fiat 500
Retro-Look und Knutsch-Effekt

Das Design: Der iPod hat die Branche sofort begeistert. 2002 gewann er unter anderem den Red Dot Design Award. Das lag nicht nur an seiner schlichten Eleganz, sondern auch an der überzeugenden Handhabung und Praktikabilität. Der Fiat 500 steht dem in nichts nach: 2008 wurde er zum Auto des Jahres gewählt. Und auch hier spielen Augenschmaus und Alltagstauglichkeit ineinander. Auch deshalb ist dies ein Auto, das auffällt, bewegt, begeistert.

Die Verwandtschaft zum Nuova 500 lässt der neueste Cinquecento durch das Glasdach oder die runden Scheinwerfer klar erkennen, hat das Design aber trotzdem modernisiert. So kommt der Wagen gleichzeitig jugendlich und doch wie ein Klassiker daher. Die Leichtmetallfelgen der hier getesteten Ausstattungslinie Lounge sind ein Genuss für die Augen. Die verchromten Türgriffe, das lackierte Kunststoff-Armaturenbrett oder die rot leuchtende Tachonadel sind Design-Details, die dieses Auto zum Erlebnis machen: So sieht die perfekte Mischung aus Extravaganz und Understatement aus.

Die Kapazität: 30 Gigabyte passen auf meinen iPod, das ist Nonstop-Musik für etwa drei Wochen. Jede Menge Stoff in einem kleinen Gerät. Da kann auch der Fiat 500 mithalten. Im Vergleich zum Nuova 500 ist er zwar deutlich gewachsen, doch er teilt mit dem legendären Vorgänger eine faszinierende Eigenschaft: Aus wenig Platz wird hier eine Menge gemacht. Nur 3,55 Meter lang und 1,63 Meter breit ist das Auto. Doch selbst groß gewachsene Piloten haben hinsichtlich Bein- und Kopffreiheit keine Probleme. Im Fond ist das Platzangebot zumindest noch passabel. Weil auch der Kofferraum immerhin 185 Liter (bei umgeklappter Rücksitzlehne sogar 610 Liter) fasst, was auch genug Platz für Getränkekästen bedeutet, wird der kleine Italiener so zum vollwertigen Rundum-Mobil.

Die Ausdauer: Nach spätestens 36 Stunden macht der Akku im iPod schlapp. Die stellt der Fiat locker in den Schatten. Der getestete 1,3-Liter-Dieselmotor schluckte im Test 4,8 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Das kann sich sehen lassen und führt selbst bei dem nur 35 Liter fassenden Tank zu ordentlichen Reichweiten.

Der Sound: Beim iPod lässt sich das Klangerlebnis über die Equalizer-Funktion steuern, im Fiat 500 über das Gaspedal: Bei wenig Umdrehungen gibt es das typische Dieselklopfen, angereichert um ein paar Bässe. Wer die Gänge ausfährt, kann dem Wagen aber auch einen sportlichen Sound entlocken. Ab 3000 Touren wird es zwar etwas lauter, doch nerviges Klappern oder andere Störgeräusche gibt es selbst bei hoher Beanspruchung nicht.

Die Bedienung: Als der iPod auf den Markt kam, meinte manch einer, Apple habe das Rad neu erfunden, so genial war die intuitive Bedienung des MP3-Players. Da kann der Fiat nicht ganz mithalten. Zwar ist der zentral platzierte Tacho, in den zugleich Drehzahlmesser und Bordcomputer integriert sind, ein Geniestreich hinsichtlich der Übersichtlichkeit. Auch der Schalthebel ist haptisch ein Vergnügen und durch seine Nähe zum Armaturenbrett ideal platziert.

Dass sich die Schalter für die serienmäßigen elektrischen Fensterheber nicht an den Türen, sondern in der Mitte des Armaturenbretts befinden, ist allerdings verwirrend. Auch beim Radio hätte man besser auf Drehknöpfe als auf die schlecht erreichbaren und zudem etwas zu kleinen Tasten gesetzt. Da kann man sich froh schätzen, wenn man die Multifunktionstasten am Lenkrad benutzen kann, die für die Ausstattungslinien Lounge und Sport serienmäßig sind.

Die Sicherheit: Der iPod erweist sich bisher als unkaputtbar. In diese Kategorie schafft es der Fiat 500 zwar nicht ganz. Doch für einen Kleinstwagen bietet er viel Sicherheit: Sieben Airbags sind serienmäßig an Bord, im EuroNCAP-Crahstest gab es den Bestwert von fünf Sternen. Für den vergleichsweise moderaten Aufpreis von 350 Euro gibt es auch ESP.

Der Lifestyle: Wie sehr der iPod längst zum Pflichtaccessoir geworden ist, sieht man vor allem an all den Produkten, die es rund um das Gerät zu kaufen gibt: riesige Kopfhörer, diverse Ladegeräte, sündteure Designer-Täschchen. Fiat treibt die Individualisierungsmöglichkeiten auf die Spitze: Den 500 gibt es in 549.936 verschiedenen Varianten, rechnen die Italiener vor. Die Farben reichen von «Ye Ye Grün» bis hin zu «Punk Grau», die Extras vom Duftspender bis zu Schlüsselhüllen in neun verschiedenen Varianten.

Das Handling ist enorm agil. Das Auto bringt alle Befehle des Fahrers sofort auf die Straße und sorgt so für Go-Kart-Gefühl. Der 75-PS-Motor bringt erfreuliche Spritzigkeit mit sich, zumal bereits ab 1500 Touren das maximale Drehmoment von 145 Nm anliegt. Auch die knackige 5-Gang-Schaltung trägt dazu bei, dass man hier die Essenz des Fahrens erleben und genießen kann.

Doch damit hört der Spaß nicht auf: Die Insassen erfreut das Glasdach, die Vorteile bei der Parkplatzsuche und die vielen neugierig-begeisterten Blicke bei Spritztouren durch die Stadt.

Der Spaß: Natürlich kann ein Produkt gut aussehen, schwer angesagt sein und reichlich Preise abgesahnt haben. Doch das ist nicht entscheidend. Wichtig ist der Spaß. Den macht der iPod, jedes Mal, wenn man ihn benutzt. Und beim Fiat 500 ist das genauso.

Und dann ist da ja noch der Steckplatz für den iPod in der Mittelkonsole. Da kann man die beiden Seelenverwandten zueinander führen und beispielsweise «All Shook Up» von Elvis Presley hören, vom Baujahr 1957 und dem Nuova 500 schwärmen - und doch wissen, dass die Moderne manchmal Legenden noch ein bisschen besser machen kann.

sgo

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