Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Der C30 ist der Paradiesvogel in der Modellpalette von Volvo. Mit dem Kompakten setzen die Schweden auf futuristisches Design und Sportlichkeit. Im Test offenbart der C30 trotzdem typische Volvo-Werte.
Fangen wir mit dem Schwierigsten an: Selbst, wenn man die Abwrackprämie schon mit einrechnet, kostet dieser Wagen noch fast 40.000 Euro. Das ist eine Menge Geld für ein Auto in der Golf-Klasse.
Aber Premium hat seinen Preis. Und diesem Attribut wird der C30 nicht nur hinsichtlich der Verarbeitung, sondern vor allem auch bei der Ausstattung gerecht. Ledersitze, 6-fach CD-Wechsler, Einparkhilfe, Navigationssystem, Tempomat und Klimaanlage sind hier ebenso an Bord wie Leichtmetallfelgen, Doppelauspuff und das R-Design-Paket, das den Wagen noch etwas gefährlicher aussehen lässt.
Bei der Sicherheit spielt Volvo traditionell in der ersten Liga. So auch hier: Neben ABS, ESP und sechs Airbags gibt es sogar ein Schleudertrauma-Schutzsystem. Ein echter Gewinn ist auch das Blis-System: Beim Blick in die Außenspiegel warnt eine Leuchte den Fahrer, wenn sich ein anderes Fahrzeug gerade im toten Winkel befindet. Das erweist sich insbesondere im Stadtverkehr und auf der Autobahn als höchst sinnvoll, zumal die recht breite B-Säule den Schulterblick erschwert. All das macht klar: Der C30 konkurriert nicht mit Golf oder Astra, sondern eher mit Audi A3 oder dem BMW 1er. Und das rückt auch den Preis in ein anderes Licht.
Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Nirgends sonst kann man das Volvo-Gefühl mit so viel Individualität verbinden. Nichts lässt hier an einen Hersteller denken, den man in erster Linie mit Bussen und Trucks, kantigen Kombis und soliden SUVs verbindet. Fast könnte man meinen, die Volvo-Designer hätten all die Extravaganz, die sie jahrelang unterdrücken mussten, in dieses Auto gepackt.
Das Ergebnis ist mehr als gelungen: Der C30 ist ein absoluter Hingucker. An erster Stelle ist da die gläserne Heckklappe zu nennen, eine Reminiszenz an den P1800 ES, mit dem Volvo Anfang der 1970er Jahre als «Schneewittchensarg» für Aufsehen sorgte und der hier Pate für das Design stand. Doch auch von vorne wirkt der Kompakte schick. Im Profil besticht die sehr flach abfallende Dachlinie, die den Wagen wie eine Sportjacht aussehen lässt.
Im Innenraum ist vor allem die frei schwebende Mittelkonsole ein Geniestreich. Nicht nur als Design-Gimmick, sondern auch, weil das hier eingesetzte Aluminium sehr edel wirkt, die Knöpfe für Klimaanlange und Radio perfekt platziert sind und (wie der gesamte Wagen) eine tolle Haptik haben und sich zudem dahinter noch ein praktisches Ablagefach, etwa für die Sonnenbrille, unterbringen lässt.
Aber nicht alles ist so glänzend gelöst. Das Navigationssystem ist sehr komfortabel zu bedienen - wenn man denn endlich die Knöpfe dafür gefunden hat, die sich hinten am Lenkrad befinden. Die Fernbedienung für das Entertainmentsystem ist schlicht überflüssig, dafür sucht man Getränkehalter vergebens. Das ansonsten formidable 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe braucht beim Wechsel vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang immer eine Weile. Das stört insbesondere beim Einparken.
Die hohe Ladekante sorgt für Schwierigkeiten beim Beladen. Auch die Kopfstützen sind schnell im Weg, wenn man etwas mehr Stauraum schaffen will. Zudem ist der Kofferraum mit 251 Litern für Volvo-Verhältnisse ein Winzling. Dafür ist das Platzangebot für die Passagiere sehr ordentlich. Auch hinten hat man genug Bein- und reichlich Kopffreiheit.
Schließlich überzeugt der Zweitürer mit einem exzellenten Fahrwerk. Einen so guten Kompromiss aus Dynamik und Komfort hat man in der Kompaktklasse selten erlebt. Auch der hier getestete Zweiliter-Dieselmotor passt erstaunlich gut zum Auto. Im Stadtverkehr ist der Verbrauch lobenswert niedrig, bei zügiger Autobahnfahrt werden allerdings schnell zweistellige Werte erreicht. Im Schnitt stehen 6,5 Liter zu Buche. 136 PS und 320 Nm verleihen dem Auto genug Durchzug für zügiges Überholen, werden aber niemals beängstigend kraftvoll. Da ist der C30 dann eben doch ein echter Volvo. Und das darf man als Kompliment verstehen.
fme