Plagiate in Shanghai Piraten unter roter Flagge

Piraten unter roter Flagge (Foto)
Aus alt mach neu: Das Original Citroen C1 und sein Klon aus dem Reich der Mitte, der Byd F0. Bild: news.de

Shanghais Automesse ist auch eine Show der Plagiate. Besonders deutsche Marken werden gern kopiert. Welche Autos einem verdächtig bekannt vorkommen - und was passiert, wenn die Chinesen selbst ans Reißbrett gehen.

Qiu Xueling macht große Augen. Opel Frontera? Nein, diesen Wagen kenne er nicht. Bewahre. Auch der dezente Hinweis, dass er ihn quasi genau vor der Nase hat, lässt den PR-Manager von Landwind Motors keine Regung zeigen. Der quietschgelbe Landwind-Geländewagen namens X9 ist dem alten Opel Frontera wie aus dem Gesicht geschnitten und schon lange ein Paradebeispiel für chinesische Autokopien.

Ob es sich dabei um lizenzierte Nachbauten handelt oder um dreiste Raubkopien, ist nicht immer so offensichtlich wie bei Landwinds neuestem Streich namens X8: Die Frontpartie des viertürigen Geländewagens sieht Touareg und Tiguan zum Verwechseln ähnlich - was VW kaum gefallen dürfte.

Im chinesischen Copy-Shop werden vor allem deutsche Autobauer Opfer der Produkt-Piraterie. Denn VW, Mercedes & Co. genießen in China einen hervorragenden Ruf. Bei Brilliance (Original-Slogan: «Happy Life with Quality Car») dreht sich die Studie EV auf dem Präsentierteller. Bei der kann man sich des Verdachtes nicht erwehren, dass die Designer schon einmal etwas vom VW Up! und dessen Van-Variante Space Up! gehört haben.

Reportage
Plagiate in Shanghai

Allerdings muss man den Chinesen zugestehen, dass ihre Up-Version die schickere Front und dank riesiger Schiebetüren auch den dramatischeren Auftritt hat. Ein Déjà-vu-Erlebnis hat man auch am Stand von Changfeng Motors: Die Limousine Acumen gleicht dem Volvo S40 fast aufs Haar.

Während manche Kopie eher dezent daher kommt, kreist bei Byd dermaßen der Holzhammer, dass man das Firmenmotto «Build your dreams» leicht abgewandelt wörtlich nehmen kann: «Wir bauen eure Träume». Der Klappdach-Roadster S8 sieht aus, als hätten die Designer einfach einem Mercedes CLK die Front abgeschnitten und an ihr Auto geklebt.

Und wer immer sich an der Gestaltung des Hecks ausgetobt hat, dürfte in einem Chrysler Sebring Cabrio zur Arbeit gefahren sein. Gekrönt wird Byds Kaperfahrt von einer unglaublich hässlichen Kühlerfigur. Beim Byd F0 dagegen hat man sich offenbar vom Kleinstwagen-Trio Citroën C1/Toyota Aygo/Peugeot 107 inspirieren lassen. Das reicht bis hin zum separaten Drehzahlmesser im Cockpit.

Great Wall, einer der größten Hersteller des Landes, hat beim Hover M1 die Italiener im Visier. Das kleine Lifestyle-Mobil könnte glatt als Fiat Panda Cross durchgehen, wenn man sich andere Scheinwerfer hinzu und das Great Wall-Logo weg denkt. Auf dem Dongfeng-Stand steht der schon länger bekannte EQ2050 im Mittelpunkt.

Dessen Optik hebt sich vom amerikanischen Militärfahrzeug Humvee vor allem dadurch ab, dass kein GI daneben steht, sondern ein Chinese mit Springerstiefeln und Muskel-Shirt. Nebenan bei Zotye Auto fragt man sich gerade, wo man dieses hässliche Gefährt schon einmal gesehen hat, als beim Namen «Multiplan» der Groschen fällt:

Lesen Sie auf Seite 2 mehr über Europäer, denen die Ehre des Plagiats zuteil wird.

Die weiße chinesische Großraumlimousine ist nichts anderes als ein alter Fiat Multipla. Dabei handelt es sich allerdings um einen offiziellen Nachbau, von denen es eine ganze Reihe gibt in China. Ausländische Hersteller dürfen nur mit einem lokalen Partner Autos bauen, was zu zahlreichen Kooperationen (und legalen Kopien) geführt hat.

Das dürfte beim Geely GE schwerlich der Fall sein. Der Rolls Royce Phantom-Klon macht den Eindruck, als hätten die chinesischen Autobauer die eigene Kopier-Wut augenzwinkernd persiflieren wollen. Den Wagen kann man kaum noch Ernst nehmen mit seiner knubbeligen Karosse, den goldenen Ornamenten am Grill und der Kühlerfigur, die aussieht wie eine Emily mit Vogelgrippe.

Im Fond befindet sich lediglich ein Sitz, in den sich der Passagier bequem hinein lümmeln kann - mit einer von Chinesen besonders geschätzten enormen Beinfreiheit. Über dem Kopf prangt ein simulierter Sternenhimmel.

Geely beweist jedoch ebenfalls, dass die Designer auch eigene Auto-Ideen umsetzen können. Es fragt sich nur, ob man das wirklich sehen möchte. Bei der Studie Tiger GT muss man seine Augen immer wieder damit beruhigen, dass Design nun einmal Geschmackssache ist.

Ein wenig wird man in China an die Anfänge der japanischen Autohersteller erinnert, die aus einem zunächst kruden Mischmasch europäischer und amerikanischer Elemente ihren eigenen Stil fanden. Einen großen Wirbel dürften die Autobauer um die China-Plagiate kaum machen, schon aus eigenem Interesse: Der chinesische Markt wächst als einer der wenigen selbst in der Krise - und da will natürlich jeder seinen Teil vom Kuchen abhaben.

sgo

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