Lancer-Test Der Kampfjet des kleinen Mannes

Mitsubishi Lancer  (Foto)
Die Sportlimousine Mitsubishi Lancer beschreiben seine Erbauer als einen «Kampfjet». Bild: news.de

Seit 1973 gibt es ihn. Und bislang war der Lancer eine ziemlich brave und langweilige Limousine mit Stufenheck. Doch nun gibt sich der Mitsubishi kämpferisch: Der neue Lancer kommt als «Jetfighter» angeflogen.

Während zum Beispiel Audi den martialischen Frontgrill seiner aktuellen Autoflotte eher harmlos «Singleframe» getauft hat, sprechen die Japaner beim überarbeiten Mitsubishi Lancer von einer «Jetfighter»-Frontansicht.

Der Kampfflieger aus Nippon soll vor allem in der unteren Mittelklasse Beute machen. Als «Wolf im Wolfspelz», sagte Mitsubishis Europachef Daniel Nacars bei der Vorstellung, rechne man mit einer «Eroberungsrate» von 50 Prozent - jeden zweiten Lancer-Käufer will man also der Konkurrenz abjagen.

Entsprechend martialisch und dynamisch haben Mitsubishis Designer aus dem hauseigenen europäischen Designzentrum in Trebur bei Frankfurt die neue Modellgeneration der fünfsitzigen «Sportlimousine» gezeichnet.

Mitsubishi Lancer
Eine Sportlimousine zum Abheben

Zu den markantesten Merkmalen zählen die Japaner denn auch «die Jetfighter-Front» mit schräg zulaufender Haifischnase und großem, trapezförmigem Kühlergrill. Dazu kommen muskulöse Flanken und zusammengekniffen wirkende Frontscheinwerfer.

Unverbesserliche Nörgler werden in der Faltung der Motorhaube Anklänge an die Formensprache von Volvo ausmachen. Und sich durch die schmalen, horizontalen Heckleuchten an die beim Alfa 159 erinnert fühlen. Bei Mitsubishi spricht man lieber von der «keilförmigen Gürtellinie», «kurzen Karosserieüberhängen» und «einem kraftvollen Kurzheck». Einigkeit dürfte bei allen zumindest in dem Fazit herrschen, dass der neue Mitsubishi Lancer der sportlichste und markanteste der seit 35 Jahren produzierten Baureihe ist.

Und der komfortabelste. Mit einer Länge von 4,57 Metern kommt er fast an die Dimensionen eines Mittelklässlers wie des Toyota Avensis heran. Die 2,64 Meter Radstand sorgen nicht nur für kurze Überhänge der Karosserie sondern auch für ein ordentliches Platzangebot innen.

Selbst hinten ist noch genügend Platz für ausgewachsene Mitteleuropäer - auch bei zurück geschobenen Vordersitzen. Die bieten im Übrigen auch einen ordentlichen Seitenhalt. Nur der rund 400 Liter fassende Kofferraum ist für die Fahrzeugklasse eher etwas knapp ausgefallen.

Lesen Sie auf Seite 2, mit welchem Antrieb sich der Lancer durch den Verkehr kämpft

Der Innenraum selbst zeigt sich durchaus hochwertig - wirkt aber wegen der etwas zurückhaltenden Instrumentierung ein wenig arg bescheiden. Man kann das auch positiv sehen: Der Lancer ist einfach und intuitiv zu bedienen. Die notwendigen Schalter und Anzeigen sind alle vorhanden - und da, wo sie hingehören. Ein funktionales Cockpit ohne unnötigen Schnickschnack.

Und wie bei Mitsubishi üblich, bestens verarbeitet. Ein paar mehr Ablagen hätte man sich vielleicht noch gewünscht. Und ein ebenso einfach wie der Rest zu bedienendes Navigationssystem. Allein schon die Suche nach dem Abbruchknopf für die Zielführung wird zum munteren Ratespiel.

Anfangs wird der neue Lancer in Deutschland mit zwei Aggregaten zur Auswahl angeboten: einem 1,8-Liter Benziner und einem 2,0-Liter Diesel. Der stammt von VW und ist trotz der vor allem im Kaltlauf etwas rauen und insgesamt angestaubten Pumpe-Düse-Technik dennoch sicher die bessere Wahl. Er wird, davon ist man bei Mitsubishi überzeugt, in Europa der Volumen-Motor sein, bis er voraussichtlich noch in 2009 von einem eigenen Mitsubishi-Diesel mit Common-Rail-Technik abgelöst wird.

Mit seinen 140 PS ist der Selbstzünder zwar kein Rennmotor, treibt den 1,5 Tonnen schweren Lancer aber sehr flott voran - schon im unteren Drehzahlbereich. Daran hat auch das bullige Drehmoment von 310 Newtonmetern seinen Anteil, das bei 1750 Umdrehungen pro Minute anliegt.

Den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 schafft der Diesel-Lancer in 9,6 Sekunden - nur einen Wimpernschlag länger als ein vergleichbar starker und schwerer BMW 318d. Die Spitzengeschwindigkeit ist bei 207 km/h erreicht.

Der Verbrauch liegt offiziell bei 6,1 Litern auf 100 km. Das ist im Klassenvergleich nicht gerade wenig - der entsprechend motorisierte VW Golf TDI kommt offiziell mit 5,4 Litern Diesel aus, der 318d gar mit 4,7 Litern. Ein Partikelfilter gehört zur Serienausstattung.

Lesen Sie auf Seite 3, wie der Lancer preislich im Vergleich abschneidet

Besonderen Wert haben die Japaner auf die europäische Abstimmung des Fahrwerkes gelegt - und das mit Erfolg. Es ist auf der einen Seite komfortabel genug abgefedert, um aus dem Lancer eine langstreckentaugliche Reiselimousine zu machen. Aber auch noch so straff, dass die sportlich mögliche Fahrweise die Versprechen der äußeren Erscheinung erfüllt.

Dabei bleibt er durchweg auch dann gutmütig, wenn es einmal etwas flotter um die Kurven geht - nur mit viel Nachhilfe nötigt man das Heck zu einem leichten Schwänzeln und die Reifen zu einem empörten Quietschen. Zu großen Überschwang regelt die Elektronik frühzeitig herunter. Die präzise Lenkung hilft da ebenfalls mit. Die Sechsgang-Handschaltung ist gut auf den Motor abgestimmt und lässt sich präzise, schnell und für eine Limousine durchaus knackig schalten.

Der Diesel (140 PS) ist zum Preis von 21.490 Euro aufwärts erhältlich, der Benziner mit 143 PS ab 19.250 Euro. Das ist durchaus günstig - zumal schon in der Basisausstattung «Invite» ordentlich was mit hineingepackt wurde.

Die Konkurrenten sind meist teurer unterwegs. Der VW Jetta etwa kostet mit dem praktisch gleichen Diesel mindestens 25.550 Euro, und selbst der Golf 2.0 TDI ist noch ein paar hundert Euro teurer. Schon in der Pipeline ist die Stufenheck-Version des Lancer, die im Herbst nächsten Jahres folgen soll.

Eine Kombi-Version will Mitsubishi vom Lancer nicht mehr anbieten - die Kunden ordern mittlerweile lieber einen SUV oder einen Van. Was im Programm aber nicht fehlen darf: die Krawall-Version des Lancer, der Evo X. Mitsubishis Rallye-Kunden schätzen den Über-Lancer mit dem gewohnt üppigen Heckflügel, diesmal mit knapp 300 PS und einem Drehmoment um die 450 Newtonmeter.

juw/hav

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