Rolls Royce Silver Seraph Auf Flügeln unterwegs

Nur vier Jahre lang wurde der Silver Seraph gebaut - für Rolls Royce, wo man die Modellzyklen sonst in Jahrzehnten rechnet, nur ein Wimpernschlag. Wir waren mit dem himmlischen Gefährt in England unterwegs.

Auf Flügeln unterwegs (Foto)
Edel, edler, Rolls Royce. Bild: pi

Ein «Seraph», so lehrt uns der Blick ins Organisationshandbuch der Himmlischen Heerscharen, ist ein sechsflügeliger Engel, der bei den Engelschören an der Spitze der Hierarchie steht. Die sind laut Jesaja (6,1-7) hauptsächlich mit Lobgesang auf ihren Herrn beschäftigt. Welch passender Name.

Ein Rolls Royce ist qua Image schon ein Lobgesang auf seinen Herrn und Besitzer. Wer für ein Auto den Gegenwert einer Doppelhaushälfte hinblättert, der will sich diesen Luxus nicht nur allein als Selbstzweck leisten, sondern auch als Lob und Preis auf das, was er so darstellt. Der selige Rudolf Moshammer, der sich Anfang April 1998 einen der ersten Silver Seraph in Deutschland zulassen ließ (M-RM 111), war ein Beispiel dafür.

Die Karosserie des himmlischen Gefährts ist deutlich verwindungssteifer als beim Vorgänger. Und weniger majestätisch denn zeitlos elegant. Klar: Der Kühlergrill stemmt sich senkrecht gegen den Fahrtwind. Aber ansonsten wird die Karosserie bestimmt von runden, weichen Formen. Mit 5,39 Metern Länge, 1,93 Metern Breite und einem Radstand von 3,12 Metern bietet der Silver Seraph üppigst Platz für seine Passagiere. Nur der Kofferraum ist mit 374 Litern etwas klein geraten - da bietet heute jeder VW Passat schon deutlich mehr.

Faszination: Rolls Royce Silver Seraph

Innen herrscht der versprochene, schier überirdische Luxus. Wer sich auf einem der Sitze niederlässt, der ist umgeben von üppig und in mehreren Schichten verbautem, auf Hochglanz poliertem Walnuss-Wurzelholz und makellosem Connolly-Leder, das in jeder Kurve dezent vornehm knarzt. 150 Stunden Handarbeit stecken allein in den Holzblenden eines Silver Seraph. Ein Dutzend Lederhäute von ausschließlich männlichen Rindern werden gebraucht und mit doppelten Nähten verarbeitet. Der Boden ist hinten mit Wilton-Teppichen aus Schafsschurwolle ausgelegt, in denen man bis zu den Knöcheln versinkt. Und für den nötigen Halt bei der Fahrt über Englands kurvige Landstraßen sorgen dezente Fußstützen.

Der Silver Seraph ist der letzte Rolls Royce, der - noch vor dem Verkauf der Marke an BMW (2000) - im englischen Crewe gebaut wurde. Und er markiert doch schon die Zeitenwende. Nach 33 Jahren war der Nachfolger der Klassiker Silver Spur und Silver Spirit der erste Rolls, der komplett neu entwickelt wurde. Und unter der langen Haube surrt schon ein Zwölfzylinder aus bayerischer Motorenfertigung. Der V12 stammt aus dem BMW 750i und wurde - abgesehen vom Schriftzug auf dem Motorblock - praktisch 1:1 übernommen. Seit dem Phantom III aus dem Jahre 1936 hatte es keinen Rolls Royce mit V12-Motor mehr gegeben.

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