Mi., 16.05.12

Praxistest 01.11.2008 Bayerisch Creme - Citroën C4 VTi 120

Bayrisch Creme (Foto)
Will rasant sein, ist es aber nur bedingt: C4 VTi. Bild: news.de

Citroën war in Deutschland noch nie eine Marke für die Massen. Da macht das Volumenmodell C4 keine Ausnahme. Vier Jahre nach dem Marktstart gibt es jetzt eine Modellpflege - vor allem mit neuen Benzinmotoren.

Doch die Aggregate kommen aus dem Hause BMW - so hofft man, die bislang eher als träge und unwillig verschrienen 4-Zylinder-Benziner vergessen zu machen. Wer in einem Citroën C4 bisher flott und sparsam unterwegs sein wollte, der musste sich schon für die ebenso kraftvollen wie sparsamen Dieselversionen entscheiden.

Zukünftig könnte der Anteil der Benziner denn auch steigen - denn die Versionen C4 VTi 120 und THP 150 sind deutlich besser als das, was die Franzosen bisher mit 1,6 und 2,0 Litern zu bieten hatten. Angesichts von Größe und Gewicht sollte man aber von dem 88 PS starken Basisbenziner, der nicht aus der BMW-PSA-Kooperation entstammt, besser die Finger lassen.

Knapp 4,30 Meter Gesamtlänge und ein Leergewicht von mindestens 1,3 Tonnen sind eben keine Kleinigkeit. Daher geht es real beim C4 VTi 120 los, der mit seinen 88 kW/120 PS und einem maximalen Drehmoment von 160 Nm die meisten Kunden zufrieden stellen dürfte. Dabei fehlen dem durchaus kernig klingenden Motor zwei Dinge, die den 30 PS stärkeren THP 150 für viele Kunden noch interessanter machen: Dem 120-PS-C4 fehlt erstens der dringend notwendige sechste Gang.

Die lasche Fünfgang-Box des 120ers hat in der heutigen Zeit so wenig zu suchen wie die prähistorische Viergang-Automatik, die Citroën bei den Benzinern als zusätzliche Getriebeoption anpreist. Andere Hersteller sind da mit Doppelkupplung und Hightech-Automaten weit enteilt. Zweitens: Der Citroën C4 bietet im VTi 120 zwar ein effizientes und flott drehendes Triebwerk - aber im Gegensatz zum größeren THP 150 keine Turboaufladung. Erst diese lässt die Vorteile des Downsizings entsprechend zur Geltung kommen.

Lesen Sie auf Seite 2, warum der Motor auch ohne sechsten Gang noch Spaß machen kann

Abgesehen vom fehlenden sechsten Gang macht der 1,6 Liter große Sauger im VTi 120 einen sehr gelungenen Eindruck. Von unten heraus geht er engagiert zu Werke und dreht williger als bisher an die 6.000er-Marke. Gerade in höheren Drehzahlbereichen klingt der Motor erfreulich kernig und bringt dem Fahrer somit ein Plus an subjektiver und objektiver Dynamik.

Der Durchschnittsverbrauch des VTi 120 liegt mit 6,7 Litern Super auf 100 Klometern trotz aller Dynamik knapp zehn Prozent unter denen des bisherigen 1,6-Liter-Triebwerkes, das rund zehn Prozent schwächer war. Dank des groß dimensionierten 60-Liter-Tanks reicht das bei entsprechender Fahrweise für bis zu 900 Kilometer ohne Tankstopp. Noch effizienter ginge es mit einer Start-Stopp-Automatik. Doch die lässt nach Aussagen von Peugeot-Sprecher Thomas Albrecht noch mindestens zwei Jahre auf sich warten.

Bei Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung hat sich im Gegensatz zur Vorgänger wenig getan - schon durch das lang abgestufte Fünfgang-Getriebe. Doch das Spurtpotenzial von 0 auf 100 km/h in 11,4 Sekunden sollten für die meisten C4-Kunden reichen. Und mit 195 km/h Spitze ist man auch auf längeren Autobahnstrecken gut dabei.

Die Abstimmung von Federn und Dämpfern ist dabei gewohnt komfortabel, jedoch nicht zu schwammig. An der direkten Lenkung stören nur die feststehende Lenkradnabe und die zahllosen Bedieneinheiten, die der Modellpflege leider nicht zum Opfer gefallen sind. Im Innenraum gibt es nur wenig Neues: Dort, wo die Instrumente an sich hingehören, gibt es nun nicht einmal mehr einen Drehzahlmesser.

Lesen Sie auf Seite 3, was sich beim C4 zum Schlechten und zum Guten änderte

Der muss sich zukünftig ebenfalls mit einem Platz im gut ablesbaren, aber sinnfrei in der Mitte des Armaturenbrettes positionierten Multifunktionsdisplay begnügen. Bei Schaltern und Bedieneinheiten macht der C4 des Modelljahres 2009 nach wie vor keinen überzeugenden Eindruck und stellt Design einmal mehr vor Praktikabilität.

Alles andere als innovativ sind Schalter und Anzeigen von Soundsystem und Klimatisierung, die eher an Radiowecker der frühen 80er Jahre erinnern. Den Knopf für die Sitzheizung muss man an der Sitzseite ertasten.

Von außen ist der überarbeitete Citroën C4 kaum vor seinen Vorgängern zu unterscheiden. Während andere Hersteller mit konturierten Linien und Sicken mehr Dynamik und Eigenständigkeit in die Modelle bringen wollen, gehen die Franzosen einen anderen Weg und bügeln die C4-Falten aus der Haube einfach weg.

Wem das Design des Coupés mit dem hohen Heck und der schlechten Sicht nach hinten zu polarisierend ist, der ist mit der gefälligen Limousine schon dank der praktischen fünf Türen besser aufgehoben. Das C4-Platzangebot ist unverändert ordentlich und nur groß gewachsene Fahrer dürften mit den eingeschränkten Verstellmöglichkeiten und der zu kurzen Beinauflage ein Problem haben. Der Kofferraum fasst 352 Liter.

Freuen kann man sich auf das neue Multimediasystem MyWay, das PSA Ende des Jahres zu Preisen ab 950 Euro auf den Markt bringen will. Damit will man den preiswerten Navi-Nachrüstlösungen Konkurrenz machen. Modulartig kann man das System mit seinem sieben Zoll großen Bildschirm dank der Anschlüsse im Handschuhfach erweitern. Der Basispreis für den ordentlich ausgestatteten Citroën C4 VTi 120 VTR Plus als Limousine liegt bei 20.850 Euro.

Der Aufpreis für den nur in der Topausstattung Exclusive erhältlichen THP 150 beträgt knapp 2.900 Euro. Der 109 PS starke C4 HDI 110 VTR Plus startet bei 22.750 Euro. Im VTR-Plus-Paket gibt es unter anderem 16-Zoll-Alufelgen, elektrische Fensterheber, manuelle Klimaanlage, Nebelscheinwerfer und anklappbare Außenspiegel. ESP, sechs Airbags, ABS und Bordcomputer sind ebenso wie ein Tempomat bei allen C4-Versionen serienmäßig.

kab
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