Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Schein und Sein: Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für alternative Mobilitätskonzepte werden lassen. Doch was verbirgt sich hinter Elektroautos eigentlich wirklich und wo steht das Land der Dichter und Denker? Eine Standortbestimmung.
Wer hat´s erfunden? Die Franzosen! Schon im Jahr 1881 waren die ersten elektrisch betriebenen Wagen im modernen Paris unterwegs. Dieses Antriebsprinzip ist also so neu nicht und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken.
Um 1900 waren sogar 38 Prozent der Fahrzeuge auf den Straßen der Welt elektrisch betrieben. Die heute vorherrschenden Benzinmotoren kamen auf einen Anteil von 22 Prozent. Grund für den Sieg der Verbrennungsmotoren war ihre höhere Reichweite: Eine Bewegungsfreiheit von 80 Kilometern wie in den Elektromotoren war der zunehmend mobilen Gesellschaft einfach zu wenig.
In Deutschland fahren heute nicht einmal 0,004 Prozent aller Gefährte mit Straßenzulassung elektrisch. Hybrid, also mit der Kombination eines Verbrennungsmotors mit einem anderem Antrieb wie Elektro oder Brennstoffzelle, sind es 0,05 Prozent.
Elektrofahrzeuge führen heutzutage ein Nischendasein. Meist begegnen sie uns als bunt beleuchtete Konzeptstudien auf Automobilmessen oder als exotische Randerscheinung in einigen wenigen urbanen Ballungszentren, weil die dortige hohe Umweltbelastung dringende Alternativen zum Verbrennungsmotor erfordert.
Der elektronische Fahrzeugantrieb tritt dabei entweder in Reinform oder als Hybrid in Kombination mit einer anderen Kraftquelle in Erscheinung. Gegenwärtig setzen viele Hersteller auf das Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsmotoren. Dieses Konzept wird umschrieben mit dem Begriff low emission - der Wagen stößt im Fahrbetrieb immer noch Schadstoffe aus, allerdings weniger als beim regulären Verbrennungsmotor. Bei reinem Elektroantrieb spricht man von zero emission, weil keine Schadstoffe während der Fahrt anfallen.
Emissionen werden dabei freilich auch produziert. Allerdings nicht vom Auto selbst, sondern vielmehr im Rahmen der Stromherstellung. Für die Umweltfreundlichkeit eines Elektroautos zählt also, was hinter der Steckdose passiert. Dort entscheidet sich die Umweltbilanz zwischen Braunkohlewolken und Solar- oder Windtechnologie.
Zero emission steht indes nicht nur für elektrischen Automobilantrieb, sondern auch für ein wegweisendes Gesetz des US-Bundesstaates Kalifornien. Geschlagen mit der damals miserabelsten Luftqualität der USA, verabschiedete die dortige Regierung den «Zero Emission Act» - ein Gesetz, mit dem die US-Hersteller zum Bau eines exakt definierten Anteils von Elektro- oder Hybridfahrzeugen an ihren Gesamtflotten verpflichtet wurden: zwei Prozent bis 1998, fünf Prozent bis 2002 und seit 2003 zehn Prozent.
Hersteller wie General Motors wurden gezwungen, sich im großen Stil mit der Entwicklung emissionsarmer Fahrzeuge auseinanderzusetzen. Jüngstes Ergebnis dieses Prozesses ist der zuletzt vorgestellte Chevrolet Volt. Vorreiter ist allerdings immer noch Japan. Toyota ist bereits seit 1997 mit seinem Elektro-Benzinhybrid Prius auf dem Markt. Seitdem führt der kompakte Asiate in schöner Regelmäßigkeit die Umweltrankings an.
Auch Honda kann auf eine langjährige Erfahrung im Sektor der Elektrofahrzeuge zurückblicken: Der Insight wird seit 1999 in den USA verkauft und ist mit Einführung der zweiten Modellgeneration 2009 auch in Deutschland erhältlich. Folgerichtig befinden sich im Land der aufgehenden Sonne, außerdem in Südkorea, die wichtigsten Hersteller der notwendigen Batterietechnologie: LG Chem aus Seoul, GS Yuasa aus Kyoto, nicht zuletzt auch Sanyo und Panasonic.
In Deutschland befindet sich zumindest ein Batteriebauer mit Rang und Namen: Li-Tec Batery aus dem sächsischen Kamenz beispielsweise beliefern Daimler. Stellvertretend für die anderen europäischen Automobilhersteller ist das Land der Dichter und Denker allerdings noch Entwicklungsland in Sachen Elektro und Hybrid.
Lediglich ein Modell befindet sich in Serienproduktion, nämlich der Mercedes S 400 Hybrid. Der allerdings verbraucht viel Sprit und liegt außerdem wie Blei in den Regalen. Das erste Modell, das sich gut verkaufen könnte, ist der Opel Ampera. Das Schwestermodell des Chevrolet Volt soll 2011 erscheinen. Allerdings pfeifen die Spatzen einen Kaufpreis von rund 35.000 Euro von den Dächern. Das spricht nicht für ein massentaugliches Volumenmodell.
Der Elektro- und Hybridbereich hat noch viel Entwicklungs- und Optimierungspotenzial. Die meisten Fachleute prognostizieren ohnehin die Dominanz des Verbrennungsmotors bis ins Jahr 2030. Sogar der Marktführer Toyota lässt keinen Zweifel daran, dass der Weg zum Massenmodell, das ausschließlich an der Steckdose tankt und genauso nutzbar ist wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, noch ein sehr langer ist.
Frappierend ist der Aufholbedarf der deutschen Ingenieure. Japan hat über zehn Jahre Entwicklungsvorsprung. Zudem bauen die Asiaten seit Jahren alltagstaugliche Modelle, während hierzulande bislang hauptsächlich Forschungsprojekte, Prototypen und Zukunftsvisionen zu sehen sind. Die Gegenwart aber ist in Fernost.
fme/news.de