Kommentar zu Autokosten Fit und vernünftig in die Zukunft

Ist es schlimm, dass Autofahren immer teurer wird? Nein. Denn Hersteller und Kunden haben dadurch die Chance, sich für die Zukunft auszurichten. Mit neuen Fahrzeugkonzepten und geändertem Nutzerverhalten. Das ist vernünftig und wäre irgendwie typisch deutsch.

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News.de-Redakteur Sascha Gorhau. Bild: news.de

Dass Autofahren teurer wird, ist nicht schlimm. Im Gegenteil: Der preisliche Druck wird eine Bereinigung des Markets und der Mobilitätsonzepte erzwingen. Er kann das bewirken, was uns heutzutage immer als modern vorgebetet wird: eine schlanker werden, sich optimieren, sich auf das Wesentliche rückbesinnen. Dabei können alle Beteiligten positive Dinge aus der Umorientierung ziehen.

Die Autobauer können lernen, dass es nichts nützt, Autos an der Nachfrage vorbei zu bauen. Werden die Autos zu teuer, dann kauft sie keiner mehr. Ebenso, wenn sie zu viel verbrauchen und zu viel Unterhalt kosten. Auch mussten die Produzenten einsehen, dass Rabattschlachten sinnlos sind.

Die Kunden werden sich rückbesinnen müssen, was das Produkt Automobil eigentlich wirklich ist: Ein Fortbewegungsmittel, die nächste Evolutionsstufe der Pferdekutsche; heutzutage oft sinnentfremdet als Gegenstand, der nicht seinen originären Auftrag erfüllt. Ein Vehikel zu sein, um von A nach B zu kommen. Das Automobil wird entzaubert und rationalisiert. Weg vom geldsaugenden Vollausstatter und hin zu dem, was ein Auto wirklich braucht.

Und so hat die preisliche Entwicklung durchaus ihr Gutes. Sie kann nämlich entlarven, dass ein Auto eigentlich kein Freudenspender ist, auch kein Protzobjekt und erst recht sinnfrei ist, wenn es steht und dann weder Auto noch Mobil ist.

Bei näherer Betrachtung entlarvt sich, worum es eigentlich geht: Eine eventuelle Reduktion der Mobilität steht im Hintergrund. Zentral ist die Angst vor einer schonungslosen und nüchternen Neubewertung der Situation. Die Furcht des Rentners, sein geliebtes Sonntagsauto aufzugeben oder das Schaudern, sich vor der Eisdiele mit Fahrrad statt Ferrari die Blöße zu geben.

Dies ist verbunden mit dem Abschied von lieb gewonnenen überholten Wahrheiten, wie zum Beispiel der Forderung nach grenzenloser automobiler Mobilität. Die Vernunft sagt aber längst: Carsharing statt Sonntagsfahrer und Mitfahrgelegenheit oder Reisebus statt Individualtourismus

Mobilität muss gewährleistet sein. Für alle. Das ist sie in Deutschland auch. Allerdings darf sich das Prinzip Mobilität der Vernunft nicht entziehen. Es sollte hinterfragt werden dürfen und wenn die Notwendigkeit besteht, auch modifiziert und optimiert.

Das ist modern, das ist vernünftig, das ist Zeitgeist. Im Ausland würde man sagen, typisch deutsch. Die rationale Neubewertung des Mobilitätskonzepts ist Deutschlands Chance, wieder mal Spitzenreiter, Marktführer und Weltmeister zu sein. Und dabei zu sich selbst zu finden.

kab/ruk/news.de

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