Kommentar zu 20 Jahre BMW 8er Ein unwürdiger Abgang

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News.de-Redakteur Sascha Gorhau. Bild: news.de

Von news.de-Redakteur Sascha Gorhau
Entweder ein dicker Gran Tourismo oder ein drahtiger Sportler. Dass beides zusammen nicht geht, musste BMW mit dem 8er schmerzvoll erfahren. So haben die Bayern dem Wagen das verbaut, was er eigentlich verdient hätte: den Status eines Klassikers.

Traumoptik, Technik von morgen und Komfort ohne Ende. Geholfen hat es alles nichts, der 8er war ein Flop. Verständlich, dass BMW zum zwanzigsten Jubiläum kein großes Aufheben um den E 31 macht.

Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen: Mit einer Milliarde D-Mark war der Entwicklungsaufwand riesig. Das Design konnte emotionalisieren, nicht umsonst nennt man den 8er das italienischste aller deutschen Automobile. Die Technik war beispielsweise durch die Integrallenker-Hinterachse wegweisend. Auch die Liste der elektronischen Assistenten war lang und ihrer Zeit weit voraus.

Der Wagen war in jeder Hinsicht der Konkurrenz überlegen – durch seine Technik und seine Optik. Doch die Perfektion des Wagens spiegelt sich nicht in seiner Verkaufsstrategie wider. BMW wollte einen gediegenen Luxusgleiter bauen, der mit fortschrittlicher Technologie das Image der Marke aufwertet. Solch ein Fahrzeug ordert typischerweise eine gesetztere Kundschaft, die ansonsten eine Mercedes S-Klasse als Gran Tourismo bestellt.

Allerdings verpasste der Autobauer aus München seinem Schlachtschiff eine brachiale Optik, die einem Rüpel von der Rennstrecke besser zu Gesicht steht. Echter Sportwagenkonkurrenz vom Schlage eines Ferrari Testarossa konnte der behäbige Zwei-Tonnen-Luxusgleiter mit dem schweren Zwölfzylinder auf der Vorderachse nichts entgegensetzen – zu wenig Dynamik, zu wenig Agilität.

Unter diesem Aspekt entlarvt sich auch der – ursprünglich niemals geplante – Einbau der Achtzylinder ab 1993 als aktionistische Panikreaktion von BMW: Von 1992 bis 1993 waren die Bestellungen um drastische 80 Prozent eingebrochen. Der agilere und drehfreudigere V8 sollte demzufolge wenigstens einige neue Kunden mit eher sportlicher Orientierung hinzugewinnen. Doch denen war der 8er zu lasch und zu träge. Ein Teufelskreis.

In zehn Jahren Bauzeit wurde der 8er kein Erfolg. Klammheimlich stellte BMW im Mai 1999 die Produktion ein. Die verbliebenen Exemplare befinden sich entweder noch in pflegender Ersthand, oder werden als verbastelte Kiezschleuder mit Mini-Lenkrad verbraten. Der 8er war ein fast perfektes Auto. Leider bestand er aus Komponenten, die nicht zusammen passen. Das ist leider nicht der Stoff, aus dem Klassiker entstehen.


Weiterführende Links:

BMW 8er: Sportler wider Willen
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krm/news.de

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