Autofahren morgen Blechdepp als Steuermann

Erkennen und reagieren. Sehen und bremsen. Übernimmt das bald das Fahrzeug selbst?  (Foto)
Erkennen und reagieren. Sehen und bremsen. Übernimmt das bald das Fahrzeug selbst? Bild: press-inform

Autofahren ohne Fahren? Die Zukunft nimmt dem Piloten eines Wagens einiges ab. Das Auto selbst schützt Insassen und Außenstehende vor Gefahren. In Grenzsituationen könnte dann dem Fahrer künftig die Kontrolle über sein Fahrzeug genommen werden.

Mit Tempo 50 durch die enge Pylonengasse. Ein Fußgänger tritt plötzlich hinter einer hellen Wand hervor - und noch bevor der Fahrer überhaupt reagieren kann, weicht die silberne S-Klasse flink nach links aus, umkurvt den erschrockenen Blondschopf und bremst hinter ihm sicher ab.

Zum Glück ist der «Fußgänger» diesmal nur eine Puppe aus dem Dummy-Regal - und selbst die ist dieses Mal unbeschadet davongekommen. Das Horrorszenario selbst aber ist Autofahrern wohlbekannt.

Wo selbst der aufmerksame Autofahrer keine Chance mehr zum Ausweichen hat, übernimmt eine Bordelektronik, die schneller reagiert als jeder noch so geschulte Pilot. Noch ist die Technik nur in einem Versuchsträger von Mercedes-Benz verbaut. Und die Entwickler machen keinen Hehl daraus, dass bis zur Serienreife noch ein paar Jahre vergehen werden.

Doch die Technologie wird kommen. Die nötigen Sensoren und Kameras sind in vielen Autos bereits heute eingebaut. Damit geht es nur noch um Rechenleistung und den Ausschluss etwaiger Fehlfunktionen. So präsentiert sich auch das Versuchsauto im Innenraum ungewöhnlich unspektakulär. «Wir haben im Bereich des Innenspiegels zwei statt gewöhnliche einer Kamera montiert», sagt Entwickler Armin Joops, der die Manöver auf dem Beifahrersitz verfolgt.

Die beiden Kameras links und rechts vom Innenspiegel tasten die Umgebung dutzende Male pro Sekunde ab. Der Sehbereich reicht bis 30 Meter vor das Fahrzeug sowie jeweils vier Meter nach links und rechts.
Doch mit den Kameras allein ist es nicht getan. Die intelligente Bordelektronik kann die Bewegungsrichtung von Personen und Bewegungen aufschlüsseln.

Zudem muss das Fahrzeug mit einer elektrischen Servolenkung ausgestattet sein. Nur dann kann die Recheneinheit im Gefahrenfall selbstständig ein eigenes Lenkmanöver einleiten. Eine elektrische Lenkung selbst ist dabei auch nichts Neues. So sind viele Kleinwagen bereits mit dieser Technik unterwegs und auch Volumenmodelle aus dem VW-Konzern.

Die Kameras erkennen den Fußgänger, checken die Umgebung, den Gegenverkehr und weichen, wenn möglich, nach links aus. Damit der Fußgänger auch als solcher erkannt wird, mussten die Entwicklungscomputer viele Stunden auf die Schulbank. Tausende von Kilometern legten Testfahrer in Prototypen auf den Straßen zurück. Hinterher wurden die Aufzeichnungen am Computer bearbeitet.

Lag die Fehlerquote anfangs noch bei über 20 Prozent, so hat man sich auf weit über 95 Prozent gesteigert. Bevor die neue Sicherheitsausstattung in Serie geht, muss man aber bei einer «Null-Fehlerquote» angekommen sein.

«Damit der Fußgänger nicht verletzt wird, reichen 80 Zentimeter aus», sagt Projektleiter Hans-Georg Metzler. Es muss auch nicht dabei bleiben, dass das Fahrzeug unvermeidlich nach links ausweicht. Berechnet der Computer alle 40 Millisekunden, dass eine Vollbremsung den gleichen Erfolg bringt, bleibt die S-Klasse in ihrer Spur und bremst maximal ab.

Ausgewichen werden soll nur dann, wenn nichts anders mehr hilft, die Gegenrichtung frei und genügend Platz vorhanden ist. Langfristig ist auch ein Notfallausscheren nach rechts auf Grünstreifen, Wiese oder Bürgersteig angedacht.

Doch auch ein Kreuzungsassistent scheint mit dieser Entwicklung nur eine Frage der Zeit. Wieso sollte nur bei der Gefahr eines Zusammenstoßes mit einem Fußgänger gebremst oder ausgewichen werden und bei einem kreuzenden Fahrzeug nicht?

Weiterführende Links:

100 Jahre Audi: Der TDI-Irrtum
Rußpartikelfilter: Wenn das Auto Verstopfung hat

sgo/news.de/pi

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Partnerangebot
Gebrauchtwagenbörse
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige