Mercedes SLC 450 Rallye Dahin, wo es weh tut

Dreck fressen – Glanz versprühen. Der Mercedes-Benz SLC 450 ist nicht nur ein Luxus-Coupé. Als Schlammschleuder mischte er einst so manche Rallye auf. Wir erzählen in zwei Teilen die Geschichte einer Legende.

Eine seltene Legende: Angeblich existieren nur noch sechs Exemplare des Rallye-SLC.  (Foto)
Eine seltene Legende: Angeblich existieren nur noch sechs Exemplare des Rallye-SLC. Bild: press-inform

Nicht erst hinter dem Lenkrad zeigt der Rallye-SLC, dass er mit dem Luxuscoupé der 70er Jahre nicht viel gemein hat. Er ist eine Rennmaschine im Ausgehdress. Wer ihn bewegt, der vermisst schnell die gemütlichen Nick- und Wankbewegungen der 4,75 Meter langen Coupé-Karosse. Der Achtzylinder hängt satt am Gas und brüllt bereits ab 2000 Kurbelwellenumdrehungen so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht.

Die Vuelta a la America del Sud des Jahres 1978 war seinerzeit die wohl härteste Prüfung, die man einem Auto stellen konnte. «Die Rundfahrt ging 30.000 Kilometer quer durch Südamerika», erinnert sich die polnische Rallyelegende Sobieslaw Zasada. «Die kurzen Etappen hatten 300 bis 400 Kilometer. Die normalen waren aber rund 1000 Kilometer lang.» Bei der Südamerika-Rundfahrt wurde der Mercedes SLC 450 zur Legende und Zasada zu einem Nationalheld.

Von den acht gestarteten Mercedes- und fünf SLC-Modellen belegten die SLC 450 die Plätze eins, zwei und vier. Auf der Suche nach einem geeigneten Rallyefahrzeug hatte man im Hause Mercedes-Benz damals nicht allzu viele Möglichkeiten. Nach der Strich-Achter-Baureihe mit dem Topmodell 280E fiel die Wahl schnell auf die robuste Coupéversion der Luxusbaureihe C107. Der hatte bei den Schönen und Reichen keinen derart prestigeträchtigen Namen wie die offene Roadsterversion mit kurzem Radstand (2,46 statt 2,82 Meter).

Die Rallyeversion des 450 SLC war zumeist in der typischen Kriegsbemalung mit silberner Lackierung und schwarzer Motorhaube unterwegs. Der Wagen von Sobieslaw Zasada startete bei der Tortur durch Südamerika mit der gelb unterlegten Startnummer 409.

«Das Wetter auf der Südamerika-Rallye war eine echte Katastrophe», berichtet der 81jährige. «Ich erinnere mich noch wie heute an eine Etappe durch Ecuador. Wir hatten innerhalb eines Tages vier Jahreszeiten und kämpften gegen die Konkurrenz, das Wetter und die Müdigkeit.»

Auf einer Etappe ging es dem Rallyepiloten wohl zu langweilig zu. Von der langen Fahrzeit und dem schweißtreibenden Wetter ausgelaugt, fielen Sobieslaw Zasada auf gerader Strecke kurz die Augen zu. «Ich bin eingeschlafen und in ein Früchtefeld gekracht», erzählt er. «Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Zuschauer halfen uns, den Wagen schnell wieder auf die Strecke zu schieben. Wir haben durch den Unfall nicht einmal 40 Minuten verloren und sind schließlich noch Zweiter geworden.»

«Mit den Straßencoupés hatten die fünf auf der Rallye Südamerika gestarteten SLC-Modelle allenfalls 40 bis 50 Prozent gemein», erklärt Zasada. Zu seiner Zeit war der extrem robust gebaute SLC eines der besten Rallyeautos. Wenn man sich die Rallyeversion des Mercedes SLC 450 ansieht, fallen einem Unterschiede zum Luxuscoupé denn auch gleich ins Auge.

Auf der nach wie vor verchromten Stoßstange türmen sich vier gigantische Zusatzscheinwerfer, die die Strecke auch bei widrigsten Wetterbedingungen hell ausleuchten sollen. Die Hauptscheinwerfer werden von einem Gitter geschützt und das Fahrwerk ist verstärkt und deutlich nach oben gesetzt. Besonders charakteristisch ist der mächtige Unterfahrschutz, der das Achtzylindertriebwerk gegen Beschädigungen aller Art abschirmt.

Lesen Sie morgen im zweiten Teil mehr über die Modifikationen des SLC im Innenraum und welche Schlachten Jochen Mass einst am Steuer des Boliden schlug.

Weiterführende Links:

Mercedes 300 SLR: Silberpfeil extrem
Aston Martin One-77: Flotte Frühlingsvisionen
Rallye Dakar: Erster VW-Gesamtsieg bei «Mutter aller Rallyes»

Aus dem Netz:

Die «Mercedes-Fans.de» schildern ihre Fahreindrücke vom Rallye-SLC

sgo/aro/news.de/pi

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