Mercedes erweitert sein Erdgasprogramm mit dem B 170 NGT BlueEfficiency. Der ist zwar ganz sicher kein Temperamentsbolzen, dürfte angesichts der Kraftstoffkosten aber nicht nur Taxifahrern gefallen.
Erdgas ist auf dem Vormarsch - nicht erst seit der jüngsten Herzinfarktgarantie an der Tankstelle. Und Mercedes ist kein Frischling in der Erdgastechnologie. Nach der E-Klasse ist nun die B-Klasse an der Reihe.
Dort wird nach dem jüngsten Facelift der B 170 NGT (Natural Gas Technology) für 28.798 Euro angeboten. Das sind 3689 Euro mehr als beim normalen B 170. Zum Vergleich: Ein VW Caddy Life EcoFuel kostet 21.515 Euro, ein Touran EcoFuel 23.500 Euro, ein Opel Zafira CNG 23.640 Euro.
Der Gasantrieb des NGT ist wie bei der Konkurrenz bivalent, die B-Klasse kann also jederzeit zwischen Erdgas und Benzin umschalten. Der normale Benzintank bleibt komplett erhalten. Die fünf Erdgasbehälter fassen 16 Kilogramm und sind unter dem Kofferraumboden untergebracht.
Während der normale B 170 einen Hubraum von 1,7 Litern hat, verfügt der B 170 NGT über zwei Liter Hubraum. Beide Fahrzeuge leisten 116 PS. Ein Elastizitätswunder ist der B-Benz damit nicht gerade - vor allem mit dem stufenlosen Automatikgetriebe Autotronic.
Das ermöglicht zwar ein Beschleunigen ohne Zugkraftunterbrechung. Aber diese Zugkraft ist eben nicht besonders groß. 12,4 Sekunden braucht der Wagen von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde. Der Motor wirkt oft angestrengt. Deutlich angenehmer ist die Fünfgang-Handschaltung.
Mercedes gibt für den NGT einen Durchschnittsverbrauch pro 100 Kilometer von 7,3 Litern Benzin oder 4,9 Kilogramm Erdgas an. Damit hätte die B-Klasse eine Gesamtreichweite von mehr als 1000 Kilometern. Mit Gas allein kommt der Wagen etwas über 300 Kilometer weit. Mit zwei Knopfdrücken am Lenkrad schaltet man zwischen den Antriebsarten um. Ein Leistungsunterschied ist nicht festzustellen. Wenn der Erdgastank leer ist, springt automatisch und für die Insassen unmerklich der Benzintank ein.
Mit Erdgas sinkt der CO2-Ausstoß im Vergleich zum Benzinantrieb um 17 Prozent auf 135 Gramm pro Kilometer. Die Kraftstoffkosten mit Gas verringern sich - bedingt durch die geringeren Preise und den höheren Energiegehalt pro Kilogramm - im Vergleich zum Benzin um etwa die Hälfte, im Vergleich zum Diesel um etwa 30 Prozent. Erdgas soll voraussichtlich bis 2018 steuerlich begünstigt werden.
Das Tankstellennetz in Deutschland umfasst nach Informationen des Trägerkreises Erdgasfahrzeuge aktuell 777 Erdgas-Säulen. Bei einer Tour vom Kurfürstendamm in Berlin zum Karlsplatz in München (580 Kilometer) liegen mehr als 30 Erdgastankstellen auf oder an der Strecke, zeigt der Routenplaner des Trägerkreises. Selbst wenn man übers platte Land von Meppen nach Prenzlau fährt (650 Kilometer), finden sich mehr als 30 Tankmöglichkeiten auf dem Weg.
Seine Zuverlässigkeit hat der alternative Treibstoff bewiesen. Der ADAC etwa stellte vor sieben Jahren 30 Fiat Multipla mit Erdgasbetrieb in Dienst, die pro Tag mehrere hundert Kilometer zurücklegen. «Probleme mit der Erdgastechnik zeigten sich nicht. Vergleicht man die Kraftstoffkosten mit Diesel und Benzin getriebenen Straßenwacht-Fahrzeugen, so sind diese ein bis zwei Drittel geringer», lautet ein erstes Fazit des Automobilclubs.
Neben der Erdgasoption bietet die neue B-Klasse von Mercedes eine weitere Sparmöglichkeit. Die Benziner B 150 (95 PS) und B 170 (116 PS) werden ab September optional, aber ohne Aufpreis mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet, wie es sie schon beim Smart mhd gibt. Im Stadtverkehr lasse sich damit eine Kraftstoffersparnis von bis zu 9 Prozent erzielen, so Mercedes.
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