Belastungstests der Hersteller Die Autoquäler

Geländewagen werden natürlich bevorzugt in der Wüste getestet. (Foto)
Geländewagen werden natürlich bevorzugt in der Wüste getestet. Bild: press-inform

Autos müssen im Alltag vielen Belastungen standhalten. Der neue deutsche Winter mit minus 20 Grad, Rekordsommer mit 40 Grad und Witterungseinflüsse aller Art sind schon Stress für das Material. Doch die wahre Bewährungsprobe findet an wirklich extremen Orten statt.

Bevor ein neues Modell beim Kunden steht, haben Erprobungsfahrzeuge schon viele hunderttausend Kilometer zurückgelegt. Neben den hauseigenen Teststrecken kommt dabei besonders den Entwicklungsstützpunkten in Skandinavien, den USA und in Südafrika eine wichtige Bedeutung zu. Autos und Komponenten müssen unter härtesten Bedingungen zeigen, was sie können.

Nur so lässt sich verbindlich sagen, ob das neue Modell auf das harte Alltagsleben auf den Weltmärkten vorbereitet ist. «Wir reisen oft den Jahreszeiten nach», sagt Frank Ysenberg, lange Jahre Testingenieur bei BMW. «Wenn auf der Nordhalbkugel Winter ist, kommen deshalb viele zum Sommertests nach Südafrika.» Zuletzt nahm Volkswagen seinen Mittelklasse-SUV Tiguan in Namibias Wüsten- und Gebirgslandschaften ab. Im Herbst kommt der Konkurrent von BMW X3, Toyota RAV4 und Mercedes GLK auf die Märkte.

Nachdem die Fahrzeuge in den eigenen Entwicklungsabteilungen und auf hauseigenen Teststrecken die Basisabstimmung bekommen haben, geht es an die Feinheiten. Sind die Türdichtungen auch beim Sandsturm dicht? Was kann die Klimaautomatik jenseits von 50 Grad Celsius? Besteht die neue Fahrwerksabstimmung auch härteste Schotterpisten? Die Lastenhefte für die zumeist kleinen Entwicklungsteams sind voll und die Zeit ist zumeist knapp, um die dringend nötigen Veränderungen an die Zentralen in München, Tokio oder Detroit zu funken.

«Wenn die Zeit drängt, kommen die Prototypen schon einmal per Flugzeug. Ansonsten im Schiffscontainer», erzählt Ysenberg. Im Gegensatz zu den Tests in Europa werden in Nordamerika und Afrika die meisten Fahrtests auf öffentlichen Straßen durchgeführt. Individuelle Modellcharakteristika wie Scheinwerfer, Karosserieteile oder gar Markenbezeichnungen sind dann bis zu Unkenntlichkeit abgeklebt. Schließlich soll keiner ahnen, was die neue Generation so alles auf dem Kasten hat.

Zahlreiche Entwicklungen werden mittlerweile am Computer gemacht, viele in Testlabors hinter verschlossenen Türen. Aber irgendwann muss ein Prototyp auch auf der Straße zeigen, was er nach monatelanger Abstimmung kann. Ysenberg: «Da ist es natürlich in Namibia oder Südafrika einfacher als im Testzentrum bei München, weil die Aufmerksam für geheime Prototypen nicht so groß ist.»

Da kann es schon einmal sein, dass sich zwischen Kapstadt und Windhoek Prototypen aus München und Ingolstadt in forscher Fahrt begegnen. Die Wüstenregionen in Südafrika, Dubai oder Namibia sind dabei ein idealer Spielplatz für die immer beliebter werdenden Geländewagen und Sport-Utility-Vehicle (SUV). Regelsysteme, Fahrhilfen und Karosserieteile werden im heißen Wüstensand ebenso hart ran genommen wie neue Triebwerke und Getriebe, die sich unter schwersten Bedingungen keine Schwäche erlauben dürfen.

Die Straßen in Afrika sind leer, oftmals unbefestigt und können mit nahezu jeder Geschwindigkeit befahren werden. Das lässt dem Testpersonal alle Möglichkeiten. Wenn BMW in Südafrika oder Namibia seine Testkilometer mit dem neuen BMW X3 abreißen lässt, ist auch die automobile Konkurrenz nicht fern. Besonders Mercedes, Audi und Volkswagen sind gerne zur Wüstenerprobung unterwegs.

Im Nordwesten Südafrikas wurde eigens ein kleiner Flugplatz mit einer über fünf Kilometer langen Asphaltpiste ausgestattet. Zur europäischen Winterzeit landen hier in regelmäßigen Abständen überdimensionale Transportflieger, die dann schwer vermummte Testwagen aus ihren Bauch rollen lassen. «Es ist kein Problem, im eigenen Entwicklungsteam Kollegen zu finden, die für ein paar Monate oder sogar Jahre nach Südafrika oder Namibia gehen und hier in der Entwicklung tätig sind», weiß Ysenberg aus eigener Erfahrung.

Ihn selbst zog es vor Jahren aus München nach Südafrika, bevor er über die Außenstelle Großbritannien dann wieder im heimischen Bayern landete. Heute ist er bei BMW zuständig für die Fahrertrainings und kann so zumindest noch alle paar Monate zu Erkundungs- und Schulungstouren nach Namibia. Seine Liebe zum Land hat er sich bewahrt. Von den grandiosen Landschaften in Namibia, den Bergpanoramen und Wüstenlandschaften bekommen die Testpiloten aber nur am Rande etwas mit: Jeden siebten Tag gibt es einen Tag Pause.

kab/news.de/pi

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