Ford Ka Mitlaufender Ka-rakter

Zwölf Jahre hat Ford sich Zeit gelassen, bevor man mit dem Ka die kleinste Baureihe der Marke überarbeitete. Herausgekommen ist ein optisch weichgespülter Kleinwagen mit vielen Höhen und einigen Tiefen. Aus einem Charakter ist ein Mitläufer geworden.

Schade drum: Aus der Kultschüssel Ford Ka ist ein automobiler Einheitsbrei geworden. (Foto)
Schade drum: Aus der Kultschüssel Ford Ka ist ein automobiler Einheitsbrei geworden. Bild: press-inform

Renaults Twingo und der Ford Ka haben viel gemeinsam. Beide rollten in der ersten Generation auch weit über ein Jahrzehnt lang nahezu unverändert durch die Städte. Und beide sind in der aktuellen, zweiten Generation kaum noch wiederzuerkennen. Die einst unverwechselbaren Formen sind weitgehend einem designerischen Einheitsbrei gewichen. Nach zwölf Jahren weitgehend unveränderter Produktion hat Ford Anfang 2009 den Ka nun also runderneuert und glattgeschliffen.

Nur noch der Name ist geblieben. Produziert wird er nicht in Köln sondern in Polen - auf dem gleichen Band wie der Fiat 500, auf dem er in weiten Teilen basiert. Auch die beiden Motoren kommen von den Italienern. Zum ersten Mal ist ein Diesel dabei. Die Ford-Designer und Ingenieure haben um die Fiat-Basis herum eine eigene Karosserie geschneidert, ein eigenes Cockpit eingebaut und das Fahrwerk auf Ford-Standard gebracht.

So verwechselbar und wenig spektakulär das Äußere des Ford Ka nun ist - Knubbel-Schnauze, spitz zulaufende Scheinwerfer und Rückleuchten, geschwungene Fensterlinie - um so kreativer waren die Designer beim Innenleben.

Das Cockpit ist sportlich und fast schon spektakulär zweifarbig abgesetzt und bietet einen Mix aus aufgerautem Plastik und auf Hochglanz lackierte Teilen. Sie gliedern das Cockpit klar in seine Funktionseinheiten und unterstützen die unkomplizierte Bedienbarkeit. Nur dass man die Bedienknöpfe für die elektrischen Fensterheber neben der Schaltung findet und nicht an den Fenstern selbst, ist gewöhnungsbedürftig. Das Innendesign ist bis in die Details hinein stimmig: Selbst die Türgriffe nehmen das Motiv des K-Winkels im Logo des Ford Ka auf.

Der Einstieg durch die weit öffnenden Türen ist unproblematisch - immer dessen eingedenk, dass man es mit einem Kleinwägelchen von knapp über 3,6 Metern Länge und 1,5 Metern Höhe zu tun hat. Hat man sich auf dem auch für große Fahrer ausreichend weit nach hinten verstellbaren Sitz eingerichtet und wohlwollend das Ambiente in sich aufgenommen, bekommt man allerdings schnell ein paar Dämpfer verpasst - nicht gleich, aber spätestens nach den ersten 100 Kilometern.

Erstes Ärgernis: Das mitgelieferte Radio. Der Empfang ist - milde ausgedrückt - miserabel. Die auf den ersten Blick ordentlichen Sitze erweisen sich als zu kurz und als zu sehr nach hinten geneigt. Auch wer den Ka vor allem als innerstädtischen Einkaufswagen nutzt, wird sich schnell über eine andere Unart des Fahrersitzes ärgern: Zwischen Sitzfläche und Lehne klafft eine üppige Lücke. Handy, Geldbörse, die Tüte mit Gummibärchen - alles, was man mal eben kurz auf den Fahrersitz legt, rutscht unweigerlich nach hinten weg.

Ford weist den Ka als Viersitzer aus. Dass diese Zählung nur sehr bedingt hinkommt, hat der Ka mit den meisten Kollegen seiner Klasse gemein. Zwei Passagiere finden vorne sehr ordentlich Platz. Hinten allerdings sollte man ausgewachsene Erwachsene nur unterbringen, wenn man sie nicht leiden kann.

Apropos Supermarkt. Der Kofferraum des Ford Ka ist mit 224 Litern durchaus ordentlich ausgefallen (Toyota Aygo: 130 Liter; Renault Twingo: 230 Liter und Fiat 500: 185 Liter). Bei umgeklappter Rückbank sind bis zu 854 Liter möglich. Leider ist der Ladeboden dann aber nicht eben - die Rücksitze steigen leicht an.

Weniger erfreulich ist die hohe Ladekante. Und auch die Luke bei geöffneter Heckklappe ist für so manche Fracht ein wenig eng. Besonders ärgerlich: Die Heckklappe lässt sich nur mit dem Schlüssel öffnen. Auf den entsprechenden Schlüsselknopf zu drücken, hilft nicht immer: Das Teil ist ziemlich störrisch. Dann gilt nur noch: Schlüssel rein, drehen, hochziehen - der Charme der 1960er Jahre.

Auch, wenn der Ka nicht mal eine Tonne wiegt - der kleine 4-Zylinder mit seinen 1242 cm³ Hubraum hat seine liebe Mühe, ihn auf Touren zu bringen. Die 89 PS und das Drehmoment von 102 Nm des Benziners brauchen über 13 Sekunden, um ihn auf Tempo 100 zu treiben. Und bei 153 km/h ist dann ganz Schluss mit dem gebremsten Vortrieb.

Wirklich Freude macht das nur in der Stadt, wo der Ka problemlos im Verkehr mitschwimmt. Oder beim Bummeln auf der Landstraße. Doch selbst da überlegt man sich jeden Überholvorgang sehr genau. Die Lenkung ist so präzise und gefühlvoll, wie man es von einem Ford mittlerweile erwarten darf. Und auch das Fahrwerk gibt dem neuen Ka einen guten Schuss Agilität mit auf den Weg.

Was allerdings nervt, das ist die bei nicht gerade topfebenen Straßen immer wieder unangenehm polternde Hinterachse. Wer viel in der Stadt unterwegs ist und nur gelegentlich auf weiten Strecken, der kann mit dem Ka durchaus glücklich werden. Dazu tragen nicht zuletzt der sehr faire Basispreis von 9950 Euro und der relativ günstige Verbrauch von 5,1 Litern (6,3 Liter innerorts) bei, die auch in der Realität nur wenig übertroffen werden.

sgo/mat/news.de/pi

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